Zeichnung stempeln & Erstmusterprüfbericht (EMPB) erstellen – der Leitfaden

Kurz gesagt: Eine Zeichnung zu „stempeln“ bedeutet, jedes prüfrelevante Merkmal mit einem nummerierten Ballon zu markieren und durchzunummerieren. Aus diesen Nummern entsteht die Merkmalsliste, mit der geprüft und dokumentiert wird – die Grundlage für Prüfplan und Erstmusterprüfbericht (EMPB). Dieser Leitfaden zeigt den kompletten Weg von der PDF-Zeichnung bis zum fertigen Prüfprotokoll – und wie Sie das mit einer kostenlosen Stempel-Software im Browser erledigen.
Was heißt „eine Zeichnung stempeln“?
Stempeln – im englischen Sprachraum Ballooning – ist der erste Schritt jeder Serien- und Erstmusterprüfung. Auf einer technischen Zeichnung werden alle Merkmale, die geprüft werden müssen, mit einem kleinen nummerierten Kreis (dem „Ballon“ oder Prüfstempel) versehen und fortlaufend durchnummeriert. Jede Nummer steht für genau ein Merkmal:
- ein Maß (z. B. Länge, Durchmesser, Bohrungsabstand),
- eine Toleranz oder Passung (z. B. Ø32 H7),
- eine Oberflächenangabe (Ra/Rz),
- eine Form- und Lagetoleranz (z. B. Position, Rundlauf),
- oder ein Gewinde.
Das Ergebnis ist eine eindeutig referenzierbare Zeichnung: Statt „die Bohrung oben links“ heißt es nun „Merkmal 14“. Genau diese Eindeutigkeit braucht jede nachvollziehbare Qualitätsprüfung.
Wozu dient das Stempeln? Vom Merkmal zum Prüfbericht
Gestempelt wird nicht zum Selbstzweck, sondern um daraus einen prüffähigen Bericht zu erzeugen. Der typische Ablauf im Maschinenbau sieht so aus:
Nach dem Stempeln werden zu jedem nummerierten Merkmal der Soll-Wert (aus der Zeichnung) und der gemessene Ist-Wert erfasst. Liegt der Ist-Wert innerhalb der Toleranz, gilt das Merkmal als i.O., andernfalls als n.i.O. Diese Liste – zusammen mit der gestempelten Zeichnung – ist der Kern eines Erstmusterprüfberichts (EMPB), wie ihn Kunden in der Automobil- und Zulieferindustrie (VDA) oder nach PPAP verlangen.
Zeichnung stempeln in 5 Schritten
So gehen Sie mit dem kostenlosen Ballooning-Tool von der leeren Zeichnung zum fertigen Prüfpaket – ohne Installation, direkt im Browser:
1. PDF-Zeichnung öffnen
Laden Sie die technische Zeichnung als PDF. Sie bleibt vollständig auf Ihrem Gerät – kein Upload, keine Cloud. Enthält die Zeichnung eine Textebene (aus dem CAD exportiert), kann das Tool die Maße sogar automatisch auslesen.
2. Merkmale stempeln (ballonieren)
Klicken Sie ein Merkmal an oder ziehen Sie ein Rechteck darum – der nummerierte Ballon erscheint daneben. Die Nummerierung läuft automatisch weiter. Wichtige oder kritische Merkmale lassen sich als Quadrat oder Raute kennzeichnen, damit sie im Bericht sofort auffallen.
3. Soll-Werte und Prüfmittel eintragen
Zu jedem Ballon tragen Sie Nennmaß und Toleranz ein. Bei Passungen genügt die Angabe wie H7 oder g6 – die Abmaße ergänzt das Tool aus ISO 286. Dazu wählen Sie das Prüfmittel (Messschieber, Mikrometer, Gewindelehre …).
4. Ist-Werte messen und bewerten
Nach der Messung tragen Sie den Ist-Wert ein. Die Bewertung i.O./n.i.O. erfolgt automatisch und farbig – auch unter Berücksichtigung der Allgemeintoleranz nach ISO 2768.
5. Komplettpaket exportieren
Zum Schluss exportieren Sie ein ZIP mit gestempelter Zeichnung, Prüfprotokoll (PDF) und Merkmalsliste (CSV) – fertig für die Prüfung oder zur Weitergabe an den Kunden. Die editierbare Projektdatei können Sie jederzeit wieder öffnen und weiterbearbeiten.
Welche Merkmale werden gestempelt?
Nicht jedes Merkmal wird gleich geprüft. Die wichtigsten Typen und wie sie bewertet werden:
| Merkmalstyp | Beispiel | Bewertung |
|---|---|---|
| Maß | Länge 40 ±0,1 | Ist-Wert gegen Soll + Toleranz |
| Passung | Ø32 H7 | Abmaße automatisch aus ISO 286 |
| Winkel | 45° ±0,5° | Ist-Winkel gegen Toleranz |
| Oberfläche | Ra 1,6 | Messwert gegen Grenzwert |
| Form-/Lagetoleranz | Position 0,1 zu A | gemessene Abweichung gegen Toleranzzone |
| Gewinde | M8 | gelehrt (lehrenhaltig / nicht), nicht gemessen |
ISO 286 und ISO 2768: Toleranzen richtig zuordnen
Zwei Normen tauchen beim Stempeln ständig auf – und beide nimmt Ihnen eine gute Stempel-Software ab:
- ISO 286 (Passungen): definiert Toleranzfelder wie H7 oder g6. Aus dem Nennmaß und dem Feld ergeben sich das obere und untere Abmaß automatisch – Sie müssen sie nicht nachschlagen.
- ISO 2768 (Allgemeintoleranzen): gilt für Maße ohne eigene Toleranzangabe. Sie legen die Toleranzklasse (fein, mittel, grob, sehr grob) einmal fest; alle unbetoleranzten Merkmale werden danach bewertet. Details und die Normtabelle im Leitfaden ISO 2768 einfach erklärt.
Beispiel: Steht in der Zeichnung „Ø32 H7“ und Sie messen 32,018 mm, ist das Merkmal i.O. – denn H7 bedeutet bei Ø32 ein Abmaß von +0,025/0 mm. Das Tool rechnet das automatisch aus.
Kostenlose vs. kostenpflichtige Stempel-Software
Die meisten Programme zum Stempeln von Zeichnungen (klassische EMPB- oder CAQ-Software) sind kostenpflichtig, verlangen eine Windows-Installation oder begrenzen die Gratis-Version auf wenige Ballons pro Zeichnung. Für gelegentliche Erstmuster, kleine Serien oder den Einstieg ist das oft ein unnötiger Aufwand.
Das QOMIO Ballooning-Tool ist dauerhaft kostenlos und unbegrenzt: keine Lizenz, kein Ballon-Limit, keine Installation. Es läuft im Browser, und Ihre Zeichnung wird ausschließlich lokal verarbeitet – wichtig, wenn Konstruktionsdaten vertraulich sind. Damit deckt es genau den Kern ab, den die meisten Anwender brauchen: stempeln, messen, bewerten, Protokoll exportieren.
Häufige Fehler beim Stempeln – und wie Sie sie vermeiden
- Merkmale vergessen: Arbeiten Sie systematisch (z. B. von oben nach unten, links nach rechts). Die automatische Durchnummerierung hilft, keine Lücke zu lassen.
- Toleranz falsch zugeordnet: Prüfen Sie, ob ein Maß eine eigene Toleranz hat oder unter die Allgemeintoleranz fällt – sonst wird korrekt Gemessenes fälschlich als n.i.O. bewertet.
- Prüfmittel nicht dokumentiert: Ein EMPB verlangt Nachvollziehbarkeit. Tragen Sie zu jedem Merkmal das verwendete Messmittel ein.
- Gewinde „messen“ wollen: Gewinde werden gelehrt (Gewindelehre geht ein / nicht), nicht als Zahlenwert gemessen.
Vom gestempelten Merkmal zum vollständigen EMPB
Was genau in einen solchen Bericht gehört und wie die Erstbemusterung abläuft, erklärt der Leitfaden Erstmusterprüfbericht (EMPB) erstellen. Für ein einzelnes Erstmuster reicht das kostenlose Tool oft völlig aus. Wer regelmäßig Erstmusterprüfberichte mit Deckblatt nach VDA, automatischer Auswertung, Serien-Statistik und Anbindung an die Fertigung braucht, findet den nächsten Schritt in der QOMIO-Lösung für die Qualitätsprüfung. Ein reales Beispiel, wie ein solcher Bericht aussieht, zeigt der Q-Report.