ISO 286 Passungen: Abmaße, Tabelle & H7/g6-Rechner

Von QOMIOakt. 12. Oktober 20268 Min. Lesezeit
Illustration: Bohrung H7 und Welle g6 als Spielpassung nach ISO 286

Kurz gesagt: Eine Passung beschreibt, wie eng Welle und Bohrung zusammenpassen. ISO 286 legt dafür zwei Dinge fest: wie fein toleriert wird (Grundtoleranzgrad, z. B. IT7) und wo das Toleranzfeld liegt (Lage, z. B. H oder g). Aus der Kombination – etwa H7/g6 – ergibt sich, ob eine Spiel-, Übergangs- oder Presspassung entsteht. Dieser Leitfaden erklärt das System verständlich, mit Beispiel.

Was ist eine Passung?

Zwei Teile, die ineinandergreifen – etwa eine Welle in einer Bohrung – müssen definiert zueinander passen: mal beweglich mit etwas Luft, mal fest und kraftschlüssig. Weil man nie exakt auf den Tausendstel fertigen kann, arbeitet man mit Toleranzen: einem erlaubten Bereich für das Ist-Maß. Eine Passung ist das Zusammenspiel der Toleranzen von Bohrung und Welle.

Wie ISO 286 aufgebaut ist

Jede Toleranzangabe nach ISO 286 besteht aus zwei Teilen:

  • Grundtoleranzgrad (IT): Wie groß die Toleranzspanne ist – von sehr fein (IT01) bis grob (IT18). IT6 und IT7 sind im Maschinenbau typisch. Je höher die Zahl, desto größer die erlaubte Abweichung.
  • Toleranzfeldlage (Buchstabe): Wo dieses Toleranzfeld relativ zur Nulllinie (dem Nennmaß) liegt. Bei Bohrungen Großbuchstaben (A–Z), bei Wellen Kleinbuchstaben (a–z). „H“ bzw. „h“ liegt genau am Nennmaß.

Das Kürzel lesen: H7/g6

In einer Passungsangabe steht immer die Bohrung zuerst (groß), dann die Welle (klein):

  • H7 = Bohrung, Toleranzfeldlage H, Grad IT7.
  • g6 = Welle, Lage g, Grad IT6.

Weil g etwas unter dem Nennmaß liegt, ist die Welle immer minimal kleiner als die Bohrung – es bleibt ein kleines, definiertes Spiel.

Die drei Passungsarten

PassungsartErgebnisBeispiel
SpielpassungImmer Spiel – Teile lassen sich fügen und bewegenH7/g6, H7/f7
ÜbergangspassungJe nach Ist-Maß geringes Spiel oder leichte ÜberdeckungH7/k6, H7/n6
PresspassungImmer Überdeckung – fester, kraftschlüssiger SitzH7/p6, H7/s6

Einheitsbohrung oder Einheitswelle?

Es gibt zwei Systeme, Passungen zu bilden:

  • Einheitsbohrung (Regelfall): Die Bohrung bleibt konstant (immer H), die Passung wird über die Welle eingestellt. Sinnvoll, weil Bohrungen aufwändiger und teurer präzise herzustellen sind als Wellen.
  • Einheitswelle: Die Welle bleibt konstant (immer h), die Bohrung variiert. Typisch bei Normteilen wie gezogenen Wellen oder Wälzlagern.

Beispiel: Ø32 H7/g6

Bei Ø32 bedeutet H7 für die Bohrung ein Abmaß von +0,025/0 mm (zulässig: 32,000 – 32,025 mm). g6 für die Welle ergibt −0,009/−0,025 mm (zulässig: 31,975 – 31,991 mm). Die Welle ist also immer kleiner als die Bohrung – es bleibt ein garantiertes Spiel. Eine saubere Gleit-/Laufpassung.

Diese Werte müssen Sie nicht von Hand nachschlagen: Im ISO-286-Passungsrechner tippen Sie 32 H7/g6 ein und erhalten obere und untere Abmaße, die Grenzmaße und das resultierende Spiel sofort – auch für andere Nennmaße bis über 3000 mm und für Press- und Übergangspassungen.

Abmaße einer Passung sofort berechnen

Wer nur schnell wissen will, welche Abmaße eine Passung hat, nutzt den ISO-286-Passungsrechner: Nennmaß und Passung eingeben (z. B. 30 H7/g6) – der Rechner liefert obere/untere Abmaße, Grenzmaße, Spiel oder Übermaß und die Passungsart nach ISO 286, direkt im Browser und ohne Konto. Auch die einzelne Angabe (nur H7 oder nur g6) lässt sich nachschlagen.

Passungen in der Prüfung automatisch bewerten

Beim Prüfen eines ganzen Bauteils übernimmt das kostenlose QOMIO Ballooning-Tool das Nachschlagen: Sie tippen Nennmaß und Passung ein (z. B. 32 H7), die Abmaße ergänzt das Tool aus ISO 286 und bewertet den Istwert direkt als i.O. oder n.i.O. Für Maße ohne eigene Toleranz greift ergänzend die Allgemeintoleranz nach ISO 2768. Wie das im Ablauf einer Prüfung zusammenspielt, zeigt der Leitfaden Zeichnung stempeln & EMPB erstellen – und wie Geometrie zusätzlich toleriert wird, der Leitfaden Form- und Lagetoleranzen.

Häufige Fragen

ISO 286 ist das internationale Normensystem für Maßtoleranzen und Passungen. Es legt fest, wie eng ein Maß toleriert ist (Grundtoleranzgrad, z. B. IT7) und wo das Toleranzfeld liegt (Lage, z. B. H oder g). Aus der Kombination ergibt sich, wie Welle und Bohrung zusammenpassen.

Der Großbuchstabe steht für die Bohrung, der Kleinbuchstabe für die Welle. „H7" ist die Bohrung (Toleranzfeldlage H, Grad IT7), „g6" die Welle (Lage g, Grad IT6). H7/g6 ist eine klassische Spielpassung: Die Welle ist immer etwas kleiner als die Bohrung, es bleibt ein definiertes Spiel.

Bei der Spielpassung bleibt immer Luft zwischen Welle und Bohrung (Teile lassen sich fügen und bewegen). Bei der Presspassung ist die Welle immer größer als die Bohrung (fester, kraftschlüssiger Sitz). Die Übergangspassung liegt dazwischen – je nach Ist-Maß entsteht geringes Spiel oder leichte Überdeckung.

Es sind zwei Wege, Passungen zu bilden. Bei der Einheitsbohrung ist die Bohrung fest (H) und die Passung wird über die Welle variiert – das ist der Regelfall, weil Bohrungen aufwändiger herzustellen sind. Bei der Einheitswelle ist die Welle fest (h) und die Bohrung variiert.

Aus Nennmaß und Toleranzfeld ergeben sich oberes und unteres Grenzmaß; der gemessene Istwert muss dazwischen liegen. Den ISO-286-Passungsrechner von QOMIO nutzen Sie zum schnellen Nachschlagen der Abmaße (z. B. „30 H7/g6"), das kostenlose Ballooning-Tool bewertet beim Prüfen eines ganzen Bauteils jeden Istwert automatisch als i.O. oder n.i.O.