WPS (Schweißanweisung): Aufbau, Normen und digitale Verwaltung

Kurz gesagt: Eine WPS (Welding Procedure Specification, deutsch Schweißanweisung) ist das „Rezept“ für eine Schweißverbindung: Sie legt Verfahren, Werkstoffe, Nahtvorbereitung und Parameter fest, damit die Naht reproduzierbar die geforderte Qualität erreicht. Bei zertifizierten Fertigungen ist sie Pflicht. Dieser Leitfaden erklärt Aufbau und Normen – und zeigt, wie sich die WPS-Verwaltung digitalisieren und mit ERP und Produkten verknüpfen lässt.
Was ist eine WPS?
Die Schweißanweisung beschreibt verbindlich, wie eine konkrete Verbindung zu schweißen ist. Sie stellt sicher, dass nicht jeder Schweißer nach eigenem Gefühl arbeitet, sondern nach einem geprüften, wiederholbaren Ablauf. Typische Inhalte:
| Bereich | Angaben |
|---|---|
| Verfahren | z. B. MAG 135, WIG 141 (nach ISO 4063) |
| Werkstoffe | Grundwerkstoff, Zusatzwerkstoff, Schutzgas |
| Nahtvorbereitung | Fugenform, a-Maß, Spalt, Lagenaufbau |
| Parameter | Stromstärke, Spannung, Schweißgeschwindigkeit |
| Temperaturen | Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur |
| Position | Schweißposition (PA, PF …) |
Aus den Parametern ergibt sich die Wärmeeinbringung – eine zentrale Kenngröße, die die WPS oft als zulässigen Bereich vorgibt. Sie lässt sich mit dem Streckenenergie-Rechner schnell ermitteln und prüfen.
WPS, WPQR und Schweißerprüfung – der Zusammenhang
Eine WPS steht nie allein. Sie ist Teil einer Nachweiskette:
- WPQR (Verfahrensprüfung, EN ISO 15614): An einer Probeschweißung wird nachgewiesen, dass der Schweißplan funktioniert. Das Ergebnis ist der qualifizierte Nachweis.
- WPS (Anweisung, EN ISO 15609): Aus der bestätigten WPQR wird die freigegebene Arbeitsanweisung abgeleitet.
- Schweißerprüfung (EN ISO 9606): Der ausführende Schweißer muss für das Verfahren und den Bereich gültig qualifiziert sein.
Übergeordnet regeln EN ISO 3834 die Qualitätsanforderungen an den Schweißbetrieb und – im Stahlbau – EN 1090 die Ausführung samt lückenloser Dokumentation.
Wo es im Alltag hakt
In vielen Betrieben liegen WPS, WPQR und Schweißerzeugnisse als PDF und in Excel-Listen verstreut. Das führt zu wiederkehrenden Problemen:
- Gültigkeiten: Prüfungen und Qualifikationen laufen ab – wer überwacht die Fristen?
- Zuordnung: Welche gültige WPS gilt für welches Bauteil, welche Naht, welchen Auftrag?
- Nachweis: Im Audit oder bei Reklamation muss die passende Dokumentation sofort auffindbar sein.
Die WPS-Verwaltung digitalisieren
Genau hier setzt eine digitale WPS-Verwaltung an – als schlanke, auf den Betrieb zugeschnittene individuelle Software statt Zettelwirtschaft. Der Kern ist die Verknüpfung:
- WPS ↔ Produkt / Auftrag / Naht: Jede Naht bekommt die richtige, gültige Anweisung zugeordnet – nachvollziehbar dokumentiert.
- ERP-Anbindung: Aufträge, Bauteile und Stücklisten kommen direkt aus dem führenden System, statt doppelt gepflegt zu werden. Wie eine solche Verbindung funktioniert, erklärt der Leitfaden Systeme verbinden: Schnittstellen & API.
- Fristen-Überwachung: Ablaufende WPQR und Schweißerqualifikationen werden automatisch gemeldet.
- Dokumentation auf Knopfdruck: Die Nachweise für EN 1090 / ISO 3834 entstehen aus den verknüpften Daten – ohne manuelles Zusammensuchen.
Das ist derselbe Gedanke wie bei der Digitalisierung der Produktion insgesamt: vorhandene Daten verbinden, statt neue Insellösungen zu schaffen. Und wo Schweißnähte in großer Zahl geprüft werden, lässt sich die Dokumentation mit einer durchgängigen Qualitätsprüfung und automatischer Fehlererkennung verbinden.
Der Nutzen
- Rechtssicherheit: gültige WPS am richtigen Bauteil, lückenlos nachweisbar.
- Weniger Aufwand: kein Suchen, kein doppeltes Pflegen, keine verpassten Fristen.
- Auditfähig: die Dokumentation für EN 1090 / ISO 3834 ist jederzeit auf Knopfdruck da.